Mittwoch, 20. März 2013

Aluminium Krebs


Auch Sonnenschutzmittel enthalten Aluminium (Bild: AP)

Aluminium: Schwerwiegendes über ein Leichtmetall

Auch Sonnenschutzmittel enthalten Aluminium (Bild: AP)Zwei Forschungsergebnisse der britischen Universität Keele machen nachdenklich. Erstens die Beobachtung, dass Frauen, die an Brustkrebs erkranken, mehr Aluminium in ihrer Brust haben als gesunde Frauen. Die höchsten Gehalte befinden sich dort, wo auch häufiger Tumoren auftreten, nämlich in der Nähe der Achsel. Daher stehen aluminiumhaltige Deos im Verdacht, zur Krebs-Entstehung beizutragen. 
Auch Sonnenschutzmittel 
enthalten Aluminium (Bild: AP)



http://www.euleev.de/images/EULEN-SPIEGEL/1995/1995-4.pdf

Eine zweite Erkenntnis aus Keele macht die Sache brisanter: Aluminium ist nicht nur in Deos enthalten, sondern auch in vielen Sonnenschutzmitteln. Dabei können - je nach Produkt - an einem sonnigen Badenachmittag bis zu einem Gramm Aluminium auf der Haut verteilt werden. Nach Angaben der britischen Forscher ist die menschliche Haut für die fraglichen Alu-Verbindungen durchlässig.

http://ehgartners.info/Brustkrebs_durch_Deodorants.pdf

Kommen wir mal zu den Lebensmitteln - spielt da Aluminium auch eine unrühmliche Rolle? Es gibt drei Eintrittspforten für Aluminium in den Körper: Erstens über die Haut, zweitens beim Atmen über den Riechnerv direkt ins Gehirn (das gilt vor allem für Alustäube) und drittens über die Nahrung. Die Bedeutung der Nahrung wurde lange Zeit bestritten, weil der Verdauungstrakt das Element normalerweise nicht aufnimmt. Schließlich werden ja auch aluminiumhaltige Magensäurebinder verschrieben, ohne dass es zu einer nennenswert erhöhten Aluminiumbelastung des Körpers gekommen wäre.



Also ein klarer Fall von Entwarnung? Was die Magensäurebinder betrifft, in der Regel ja - aber nicht bei Aluminium, das sich in der Nahrung befindet. Wird es zusammen mit Stoffen, die Aluminium binden wie Zitronensäure, Milchsäure, Glutamat oder dem Aromastoff "Maltol", dann wird es vom Körper aufgenommen und kann bis ins Gehirn gelangen. Besonders hohe Belastungen produzieren Lindenblütentee oder Früchtetee in der Aluminium-Feldflasche bei der Wanderung. Relativ viel Aluminium hat man in der Tomatensoße von Heringsdosen gefunden, in Dosenbieren und -limos nach längerer Lagerung und natürlich bei Verwendung von Alufolie zum Grillen von Fisch - schön lecker mit Zitrone beträufelt. Aber das sind alles nur Beispiele, im Einzelfall ist die Alufracht kaum vorhersagbar - zu vielfältig sind die Einflüsse.

 Lachse verlieren Orientierung

In unserem Film "Die Akte Aluminium" bringen wir eine Passage mit dem englischen Alu-Experten Chris Exley, der Anfang der 1980er Jahre über das Phänomen des "Sauren Regens" zum Thema Aluminium kam. Damals entdeckte er, dass eine Menge von 0,2 Milligramm gelöstes Aluminium pro Liter Wasser genügt, um Jungfische zu töten. Erwachsene Fische gingen bei Werten über 1,5 Milligramm zu Grunde. "Aluminium ist ein bekanntes Neurotoxin, es setzt sich an den Kiemen der Fische fest und macht, dass die Tiere ersticken", erzählte mir Exley. Bei geringeren - nicht tödlichen Dosierungen von Aluminium konnte er beobachten, dass die Lachse zunehmend ihren geographischen Sinn verloren. Mit dramatischen Konsequenzen: "Die Lachse finden dann vom Meer nicht mehr zurück in ihre Herkunft-Gewässer, die sie normalerweise am Ende ihres Lebens aufsuchen, um dort abzulaichen." Möglicherweise, so Exley, ist dieser Orientierungsverlust in Folge der Aluminiumvergiftung ein ähnliches Symptom wie die Dialysedemenz beim Menschen.

Ein Teelöffel mit Maalox (das entspricht 5 Milliliter) enthält laut Hersteller-Info 153 Milligramm Aluminiumhydroxid. Nun weiß man, dass bei oraler Einnahme nur sehr wenig Aluminium im Körper verbleibt. "Der Großteil, mehr als 99 Prozent, wird über die Nieren ausgeschieden", demonstrierte der Toxikologe Nicholas Priest in Studien.
Doch auch wenn man das berücksichtigt, kann das nicht wirklich beruhigen. Denn was, wenn man unter einer bislang nicht bekannten Nierenschwäche leidet?

Oder wenn man sich bedenkenlos an die Ratschläge der Hersteller hält?
Man soll binnen 24 Stunden nicht mehr als 16 Löffel konsumieren, heißt es auf der Maalox-Website.

Das entspräche dann schon 2448 Milligramm Aluminiumhydroxid. Und wenn - nach Priests Faustregel  - davon ein Prozent im Organismus verbleibt, dann wären das 24,5 Milligramm. Damit könnte man schon ein mittelgroßes Aquarium mit Jungfischen ausrotten.
Der Grenzwert für Aluminium im Trinkwasser liegt EU-weit übrigens bei 0,2 Milligramm pro Liter.

PS: Auch bei uns ist das Mittel rezeptfrei in den Apotheken erhältlich. (In Österreich ebenfalls als "Maalox", in Deutschalnd als "Maaloxan") Die Gesundheitsbehörden sehen darin kein Problem.



Und was passiert im Körper damit? Es gibt schon lange die Erkenntnis, dass Alzheimerpatienten deutlich höhere Gehalte an Aluminium im Gehirn aufweisen. Zugleich zeigen Tierversuche, dass die Applikation von Aluminium zu einem Krankheitsbild führt, dass der Alzheimerschen Krankheit sehr wohl ähnelt. Manchmal gelangt es auch in die Knochen, dann kommt es zur Osteomalazie (Konochenerweichung). Ähnliche Krankheitsbilder hat man früher an Dialysepatienten, die über die Dialyse mit Aluminium belastet worden waren, vorgefunden. Heute spielt dieser Belastungspfad allerdings keine Rolle mehr. Anders sieht es beim Trinkwasser aus. In England sind in Regionen mit einer stark erhöhten Aluminiumfracht im Trinkwasser neurologische Krankheiten häufiger. Insofern geht von Aluminium ein gesundheitliches Risiko aus.

Sollten wir also in Zukunft einen großen Bogen um Aluminium machen, egal ob im Sonnenschutzmittel oder Alufolie? Das kommt darauf an. Zunächst macht es einen Unterschied, ob sich das Aluminium in Lebensmitteln oder Kosmetika befindet. Ums Essen und Trinken kommt niemand umhin. Es gibt viele sinnvolle Einsatzbereiche für das Leichtmetall, auch im Lebensmittelsektor, beispielsweise die Alufolie um das Sandwich. Aber es gibt natürlich auch Risiken. Risiken, die vermeidbar wären, würde man sie nicht auf die leichte Schulter nehmen. Zur Aufbewahrung von sauren Speisen taugt Aluminium nicht. Wir diskutieren heute immer noch fleißig über die "giftigen Schwermetalle" wie Quecksilber oder Cadmium, obwohl wir diese inzwischen recht gut im Griff haben. Jetzt wäre es an der Zeit, sich einmal unvoreingenommen den "harmlosen Leichtmetallen" zuzuwenden. Schließlich sind Aluminiumverbindungen in Kosmetika verzichtbar.

Quellen::
Nicholson S, Exley C: Alumnium: a potentiial pro-oxidant in sunscreens/sunblocks? Free Radical Biology and Medicine. Article in press
Exley C et al: Aluminium in human breast tissue. Journal of Inorganic Biochemistry 2007; Epub ahead of print.
Darbre PD: Underarm cosmetics and breast cancer. Journal of Applied Toxicology 2003; 23: 89-95
McGrath KG: An earlier age of breast cancer diagnosis related to more frequent use of antiperspirants/deodorants and underarm shaving. European Journal Cancer Prevention 2003; 12: 479-485 Altmann P et al: Disturbance of cerebral function in people exposed to drinking water contaminated with aluminium sulphate: retrospective study of the Camelford water incident. BMJ 1999; 319: 807-811
EU.L.E.n-Spiegel - Wissenschaftlicher Informationsdienst des Europäischen Institutes für Lebensmittel- und Ernährungswissenschaften l1995; Heft 4; Schwerpunkt Aluminium

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