Sonntag, 12. August 2012

Effektive Mikroorganismen

Effektive Mikroorganismen - EM Technologie

Geschrieben von: Michael Pankratius

Unter EM-Technologie versteht man die Nutzbarmachung Effektiver Mikroorganismen. Effektive Mikroorganismen (EM) sind eine spezielle Mischung von Mikroben, die regenerative Prozesse unterstützen und fäulnisbildende Prozesse unterdrücken. Zu den wichtigsten Mikroorganismen in der EM- Technologie gehören Milchsäurebakterien, Hefen, Photosynthesebakterien und fermentaktive Pilze. Die bisher wissenschaftlich nicht anerkannte Methode wurde 1982 vom japanischen Agrarwissenschaftler und Hochschullehrer Prof. Dr. Teruo Higa auf Okinawa entdeckt und findet seitdem internationale Verwendung.
EM dient nicht der Substitution anderer Praktiken. Es ist ein Fördermittel, um die Praktiken der alternativen Landwirtschaft zu optimieren. EM kann die nützlichen Effekte dieser Praktiken steigern, wenn es richtig angewendet wird.
Seit dem Aufkommen der EM-Technologie wird diese argwöhnisch beobachtet. Hauptkritikpunkte sind die zu optimistischen Werbebotschaften sowie die Nichtvereinbarung von EM mit der Lebensmittelhygiene.



Geschichte

Bereits in den sechziger Jahren begann Prof. Dr. Teruo Higa die Arbeit am Thema Bodenfruchtbarkeit in Abhängigkeit von Mikroorganismen und insbesondere von Photosynthesebakterien.
Higa (seit 1982 Professor für Gartenbau an der Universität von Ryukyus (Japan), Abteilung Landwirtschaft.) sammelte 2000 Mikroorganismen Arten zur Entwicklung der EM und entfernte diejenigen, die einen schlechten Geruch entwickelten. Nach weiterer Selektion blieben zuletzt 125 Arten übrig. Einige dieser Mikroorganismen sind mit allgemeinen Methoden nicht nachweisbar.
Nach jedem Arbeitstag wurden die Mikrobenmischungen in einer Grasparzelle entsorgt. Dabei fiel auf, dass das Gras auf dieser Fläche schneller wuchs. Aus diesem Zufallsprodukt entstand EM.
Die in EM verwendeten Arten der Mikroorganismen sind seinem Werk „Biseibutsu no nôgyô riyô to kankyô hozen“ (Landwirtschaftliche Verwendung von Mikroorganismen und Umweltschutz; Verlag: Nô-Bun Kyô) beschrieben. Eine deutsche oder englische Übersetzung existiert derzeit nicht.

Zusammensetzung

Effektiven Mikroorganismen setzen sich aus einer Mischkultur aus 80 ausgewählten, natürlich vorkommenden Mikroorganismen- Arten aus 10 Gattungen und fünf Familien zusammen, die in allen Mikroorganismen- Banken vorrätig sind. EM sind toxikologisch unbedenklich und enthalten keine gentechnisch veränderten Organismen.
Besonders erwähnenswert ist die Koexistenz von aerob und anaerob lebenden Mikroorganismen in derselben Flüssigkeit.
Die fünf Familien der Mikroorganismen sind:
Photosynthesebakterien (Rhodopseudomonas)
Rhodopseudomonas wandeln organisches Material und schädliche Gase mit Hilfe von Sonnenlicht und Bodenwärme als Energielieferanten um zu Aminosäuren, Nukleinsäuren, bioaktiven Substanzen und Zuckerarten, die direkt von Pflanzen absorbiert werden können und als Bakterien vermehrende Substrate wirken.
Milchsäurebakterien (Laktobacillus)
Laktobacillus produzieren Milchsäure aus Zuckerarten und anderen Kohlehydraten. Zusätzlich werden schädliche Mikroorganismen unterdrückt und eine schnelle Zersetzung von organischem Material verstärkt.
Hefen (Saccharomyces)
Saccharomyces synthetisieren antimikrobielle, für das Pflanzenwachstum nützliche Substanzen aus Aminosäuren und Zuckern. Bioaktive von Hefen produzieren Hormone und Enzyme, die die Zell- und Wurzelteilung fördern.
Aktinomyzeten (Streptomyces)
Streptomyces sind Mikroben die strukturmäßig zwischen Bakterien und Pilzen liegen. Sie produzieren aus Aminosäuren und organischem Material mikrobielle Stoffe, die schädliche Pilze und Bakterien unterdrücken.

Fermentaktive Pilzarten (Aspergillus)

Aspergillus lassen organisches Material schnell zerfallen, wobei Alkohol, Ester und antimikrobische Stoffe entstehen. Diese unterdrücken Fäulnis, schlechte Gerüche und das Auftreten von Schadinsekten.

Funktionsweise

Effektive Mikroorganismen können in allen Bereichen funktionsfördernd eingesetzt werden, in denen organische Materialien verarbeitet oder aufgebessert werden. EM wird zugeschrieben regenerativ zu wirken, die Lebenskraft und Gesundheit zu stärken und degenerative, krank machende Prozesse zu verhindern.
EM beschleunigen die Umsetzung organischer Materialien und verhindern Fäulnis, beleben den Boden und erhöhen die Aktivität der Bodenlebewesen, verbessern die Erwärmung im Frühjahr und die  Speicherkapazität des Bodens, verringern die Keimdauer und fördern die Wurzelbildung, reinigen Wasser, reduzieren umweltrelevante Schadgase und beseitigen schlechte Gerüche.
In der richtigen Zusammenstellung produzieren Mikroorganismen nützlichen Substanzen wie Vitamine, organische Säuren, mineralische Chelatverbindungen und unterschiedliche Antioxidantien.
Die Funktionsweise von EM wird in drei Prinzipien aufgeteilt: Dominanzprinzip, Fermentationsprinzip und Antioxidationsprinzip
Dominanzprinzip
Nach Prof. Dr. Higa gibt es drei Arten von Mikroben:
•    Positive Mikroben (Aufbauende/ regenerative/ fermentaktive)
•    Negative Mikroben (Abbauende/ degenerative/ fäulnisbildende)
•    Opportunistische Mikroben (Mitläufer)
Die Effektiven Mikroorganismen zählen zu dem positiven Typus. Die beiden ersten Gruppen können dominant sein. Die Opportunisten folgen der dominanten Gruppe und unterstützen deren Wirkung. Daher kann man mit einer relativ kleinen Zufuhr von Mikroorganismen die Prozessrichtung in einem Milieu (Boden, Wasser usw.) festlegen. Im Sinne der EM-Technologie versucht man durch Beigabe einer Mischung mit dominanten positiven Mikroorganismen das natürliche Milieus günstig zu beeinflussen.
Fermentationsprinzip
Fermentation ist die Umsetzung von biologischen Materialien mit Hilfe von Bakterien-, Pilz- oder Zellkulturen oder aber durch Zusatz von Enzymen (Fermenten) und wird bereits seit langem für die Herstellung von Lebensmitteln verwendet, in denen die Mikroorganismen auch natürlich enthalten sind. Effektive Mikroorganismen sind in der Lage, Stoffe zu bilden, die sich auf rein chemischem Wege nur sehr schwer bzw. gar nicht herstellen lassen, wie z.B. Enzyme, Vitamine, Aminosäuren und bioaktive Substanzen. Auch medizinische Produkte wie Insulin, Antibiotika oder Penicillin werden durch Mikroorganismen in Bioreaktoren synthetisiert.

Antioxidationsprinzip

Effektive Mikroorganismen produzieren eine Vielzahl an Antioxidantien, die freie Radikale neutralisieren und ein regeneratives Milieu fördern können. Polysacchariden, Mineralien in Chelatform mit katalytischer Aktivität, in geringeren Mengen auch Vitamin C und E sowie Spurenelemente sind die bekanntesten Vertreter.
Die Photosynthesebakterien gewinnen ihre Energie aus Schwefelwasserstoff und anderen lebensfeindlichen Molekülen. Dabei werden Elektronen freigesetzt, die in den Vitaminen und sonstigen Ausscheidungsprodukten der Mikroben reduzierend wirken. Ein weiterer Vorgang besteht in der Deionisierung, bei der die EM gefährliche Schwermetallverbindungen reduzieren.


Anwendung und wichtigste EM- Produkte

EM wird derzeit in 120 Ländern genutzt. Allein in Deutschland gibt es über 3.000 EM-Bauern. Anwendung finden EM in der Lebensmittelindustrie, Landwirtschaft, Tierhaltung, Teichen und Gewässern, Abwasseraufbereitung, Kompostierung, Reinigung, Haus und Garten, Wasserbelebung, Nahrungsergänzung, Naturkosmetik.
Stammlösung EM1, EM-Silo und aktiviertes EM (EMa): Die Stammlösung (EM1 oder EM-Silo) wird zu aktiviertem EM (EMa) vermehrt (bzw verdünnt: 1 Liter EM1 oder EM-Silo auf 33 Liter Wasser). EM wird in Form von EMa angewendet. Dieser Ansatz wird bei konstanter Temperatur (ca. 35˚ Celsius) 7 Tage
unter Luftabschluss bebrütet. EMa guter Qualität sollte einen pH-Wert von
weniger als 3,5 aufweisen.
EMX ist ein Nahrungsergänzungsmittel, dass laut Herstellerangabe in seiner antioxidativen Kraft 100-mal stärker als Vitamin E sein soll.
EMX-Keramik: Die Effektiven Mikroorganismen werden in Ton gebrannt und dienen zur Adsorption von Schadstoffen, Senkung des Redoxpotentials oder gleichmäßigeren und schnelleren Austrocknung von Beton.
Bokashi (japanisch für fermentiertes organisches Material) wird als Dünger oder Futtermittel eingesetzt.
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Quellenverzeichnis:
Hammes, E., van den Höövel, G. (2008): EMLösungen, Verlag Eifelkrone
Lorch, A. (2006): EM Eine Chance für unsere Erde, OLV Verlag
Rackl, C. (2006): Praktische Erfahrungen mit effektiven Mikroorganismen (EM) in Pflanzenbau und Tierhaltung. Diplomarbeit an der Fachhochschule Weihenstephan, Fachbereich Land- und Ernährungswirtschaft


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